| über uns | Technische Informationen zu Triebfahrzeugen |
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Die 199 8.. ist eine umgebaute Normal-
spurstreckenlok V100.Hier ist sie
im Bahnhof Alexisbad zu sehen
| Größe | Wert | Einheit | Formelzeichen | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Fahrgeschwindigkeit | 50/50 | Km/h | Vmax | vw/rw |
| Getriebebauart | - | - | - | 3-Wandler Strömungsgetriebe |
| Dienstmasse | 66,0 | t | M ld | bei vollen Vorräten |
| mittl. Kuppelachslast | 11 | Mt | - | - |
| - | - | - | - | - |
| Achsfolge | CC-dh | - | - | - |
| Drehzapfenabstand | 7000 | mm | - | - |
| Motor | - | - | - | 12 KVD A4 |
| Länge | 14240 | mm | - | über Puffer |
| Bordspannung | 110 | Volt | Ub | Gleichspannung |
| Bremsbauart | - | - | - | KE mit Zusatzbremse |
| Heizung | - | - | - | Ölgefeuerter Dampfkessel |
| Batteriekapazität | 240 | Ah | - | Bleiakku 18 Zellen a 6Volt |
| befahrbarer Bogenradius | 30 | m | R | - |
Lange Gesichter und
vernichtende Blicke empfangen den Lokführer, wenn er mit einer Diesellok
um einen Bogen gerollt kommt. Da haben die Fotografen und Videofilmer Blende
und Verschlußzeit und Bildausschnitt aufs genaueste auf einander
abgestimmt und teilweise halbzentnerschwere Videokameras in entlegenste
Waldwege gebuckelt und dann Das! Bei Aufenthalten auf Bahnhöfen gibt's
manchmal auch böse Worte an den "Meister". Dabei kann der Lokführer
meist gar nichts dafür. Natürlich ist die HSB bestrebt, den Einsatz
dieser Maschinen, zumindest im Reiseverkehr, auf ein Minimum zu
beschränken.
.
Trotzdem sollte man die
Dieselloks nicht ganz verschmähen, denn auch diese Maschinen haben eine
ganz besondere Geschichte und sind in dieser Form als umgebaute
Normalspurdieselloks sicher einmalig auf der Welt. Durch diese recht
leistungsfähigen Maschinen ist es uns erst möglich, den
Schotterverkehr vom Schotterwerk Unterberg nach Nordhausen zu bewältigen.
Somit bringen auch diese Maschinen einen wirtschaftlichen Beitrag für
unser Unternehmen und helfen nicht unbeträchtlich, die Bundesstraße
4 nach Nordhausen zu entlasten.
Über Geschmack läßt sich
bekanntlich streiten. Vor einem Personenzug sehen die "Roten Kamele" wahrhaftig
nicht schön aus. Die Lok überragt die Wagen dahinter. Doch vor einem
Güterzug mit aufgebockten Regelspurgüterwagen macht die
1998 doch gar keine so schlechte "Figur". Dort sind die Proportionen
wieder hergestellt und auf der Normalspur zählte sie schon immer zu den
formschönen Dieselloks.
Was
bewog die Deutsche Reichsbahn nun damals, diese Normalspurdieselloks auf
Schmalspur umzubauen?
Nun dazu muß an dieser Stelle etwas weiter
ausgeholt werden. Die Deutsche Reichsbahn hatte für den Güterverkehr
innerhalb der DDR eine größere Bedeutung als etwa die Deutsche
Bundesbahn in der BRD. Das lag zum einen an dem schlechtem Zustand der
Fernverkehrsstraßen (heute Bundesstraßen) und Autobahnen, zum
anderen am mangelndem Bestand an leistungsfähigen Lastkraftwagen in der
DDR. So war der Transportweg Schiene eine wichtige Lebensader der
DDR-Industrie und auch kleine Nebenbahnen und Schmalspurbahnen hatten ihren
Teil dazu beizutragen. Auf Grund dieser Politik ist auch der erneute
Streckenschluß der Harzquerbahn mit der Selketalbahn zwischen
Straßberg und Stiege möglich geworden. Schließlich
bnötigten die Heizwerke der damaligen Industriebetriebe im Harz
große Mengen Rohbraunkohle. Diese wurde täglich mit Doppeltraktion
mit zwei Neubauloks von Nordhausen in die Berge geschafft. Auch von Wernigerode
waren Neubaulokomotiven in Doppeltraktion unterwegs. Hier fuhr täglich der
legendäre Güterzug 69071 nach Benneckenstein. Eine Zeit lang wurde
dabei die Höchstlast pro Maschine auf 160 Tonnen heraufgesetzt - bis auf
starke Proteste der Lokpersonale hin wieder die alte Höchstlast von 140
Tonnen galt. Mit dem verstärktem Güterverkehr im Südharz und der
notwendig gewordenen Abordnung von Neubaumaschinen ins Selketal, wurden Mitte
der achtziger Jahre die Loks knapp.
Die damalige
Hauptverwaltung Maschinenwirtschaft der DR entschloß sich daher,
Dieselloks anzuschaffen. Dreissig Stück sollten es werden. Man
liebäugelte mit dem Gedanken, die Dampfloks daraufhin ins
"Nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet" zu verkaufen. Nur eine sollte
übrig bleiben - die Neubaulok 99 7247. Diese Maschine stand unter der
"schützenden Hand" des Verkehrsmuseums Dresden. Auch das Lokpersonal
wehrten sich gröstenteils gegen diese Entwicklung. Die Spitznamen "Kanne"
und "Rotes Kamel" waren ursprü,nglich Schimpfwörter ! Die Wende
beendete diesen Prozeß - am Ende sind nur 10 Maschinen auf Schmalspur
"geklont" worden.
Nun war die Frage aber noch offen woher die Dieselloks
mit 1000 mm Spurweite kommen sollten. Die damalige DDR war vertraglich fest an
den RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) gebunden. Daher durfte sie
keine Dieselloks mehr bauen! Vielmehr oblag es der Sowjetunion,
dieselelektrische Loks zu montieren. Für dieselhydraulische Lokomotiven
war die Volksrepublik Rumänien zuständig. Doch mit beiden
Zulieferländern hatte man bereits negative Erfahrungen gemacht, was die
Qualität der Maschinen und der Gesamtkonstruktion anbelangte. So
mußten die Baureihen 120, 130, 132 und 142 aus der Sowjetunion sowie die
Baureihe 119 aus Rumänien erst aufwendig umgerüstet werden, bevor sie
ihren Dienst bei der Deutschen Reichsbahn aufnehmen konnten.
Der Einsatz von
dieselelektrischen Lokomotiven aus der SU schied von vornherein aus, da bei
diesen Maschinen auf Grund ihrer schweren Bauweise ein zu hoher Achsdruck
für den leichten Schmalspurschienenoberbau zu erwarten war. Auch auf die
Einfuhr von rumänischen Loks wollte man verzichten, da man zu grobe
Konstruktionsmängel befürchtete, die später nicht mehr zu
beseitigen wären. So hatte zum Beispiel der rumänische
Zulieferbetrieb beim Bau der Normalspurbaureihe 119, Hydraulikleitungen im
Maschinenraum frei verlegt, über vier Meter ohne eine Schelle oder
sonstiges Stützelement! Außerdem waren die Motoren innerhalb der
Baureihe 119 nicht frei tauschbar, weil sie verschiedene Einbaumaße
besaßen.
So entschloß man sich, im Rahmen einer
Rekonstruktion eine bewährte deutsche Lokomotive für die Harzer
Schmalspurbahnen umzubauen.
Die Umkonstruktion zog
sich jedoch in die Länge. Bereits 1982 sprach man davon - doch erst im
Dezember 1988 stand die erste Maschine auf dem Hof in Wernigerode. Die
Lokomotiven wurden vom RAW Stendal, wo der Umbau erfolgte, auf Schleppgestellen
nach Wernigerode verbracht. Hier wurden die Loks angehoben und mit
Schmalspurdrehgestellen versehen.
Die Unterschiede zur Normalspurausfürung zeigen
sich in vielen Details der Drehgestelle. Während die Normalspurlok die
Achsfolge BB aufweist, hat die Schmalspurvariante die Achsfolge CC. Der Grund
hierfür ist in der Achsdruckverminderung zu suchen. Auch die Gelenkwellen
zu den Drehgestellen mußten verlängert werden, um den Knickwinkel in
den engeren Kurven geringer zu halten. Die Zug- und Stoßvorrichtung
(Puffer und Zughaken) wurden am Drehgestell angebracht. Dadurch wird die
Zugkraft zum Teil über die Drehzapfen der Drehgestelle übertragen.
Aus diesem Grund dürfen die 199 8 nicht zum Zweck der
Zugkrafterhöhung zusammengekuppelt werden. Um Kippmomente vom Drehgestell
fernzuhalten, hat man die Kuppeltasche für Kuppelbäume unter dem
Puffer, in Achsmittenhöhe, angebracht. Interessant ist auch der Tausch von
Primär- und Sekundärfederung. Während bei der Normalspur
Schraubenfedern zur Federung des Drehgestells zum Hauptrahmen dienen, findet
man diese bei der Schmalspur zu Federung jeder einzelnen Achse. Umgekehrt ist
bei der Normalspur die einzelne Achse mit Gummischubdruckelementen gefedert ,
bei unserer 199.8 dienen diese Elemente zum Federn des Drehgestells. Die
Hauptluftbehälterleitung ist nur behelfsmäßig kuppelbar, so
daß auch die Vielfachsteuerung nur bedingt nutzbar ist.
An der eigentlichen
Lokomotive gibt es nur wenig Änderungen. Die Bremse wurde mehrlösig
ausgeführt durch den Einbau von KE-Ventilen und die Tritte wurden mit je
einer Stufe mehr versehen. Trotzdem ist es manchmal nicht ganz einfach auf den
Führerstand zu kommen, denn die Schmalspurausführung ist 11cm
höher als ihr Original.
Bevor die "Roten
Kamele" eingesetzt werden konnten, mußten noch einige Veränderungen
an den Strecken vorgenommen werden. Dies wurde notwendig, da das
Lichtraumprofil der Dieselloks an einigen Stellen das der Strecke
überschritt. Das Gleis auf der Brücke an der Westerntorkreuzung in
Wernigerode wurde angehoben. Die Weichen auf dem Hauptbahnhof in Wernigerode
wurden verlegt. In einige Gleise dürfen die 199.8 auch heute noch nicht
hinein. Sie passen nicht in den Lokschuppen in Gernrode und in Benneckenstein
findet man z.B. an der Laderampe am Bahnhof ein Schild "Halt für Baureihe
199".
Interessant für Eisenbahnfreunde ist sicher,
daß die Loks im Prinzip ihre alte Betriebsnummer behielten. So war zum
Beispiel die 199 861 früher die 112 861! Obwohl es sich um relativ neue
Loks der V100-Serie handelt, waren sie doch auch auf der Normalspur seit Mitte
der siebziger Jahre unterwegs und haben dabei viele hunderttausende Kilometer
zurückgelegt. Vielleicht hat der eine oder andere noch ein Bild aus dem
"früheren Leben" der "Roten Kamele" noch in seinem Archiv ?